“Hallo”, sagte ich leise mit einer Stimme, die so sanft war, dass sie mir selbst fremd erschien, “ist alles in Ordnung bei Dir?” Endlich waren sie gesprochen, die Worte, die meiner Neugierde und meiner Besorgnis hoffentlich den Boden ihrer Existenz nehmen würden. Doch es kam keine Reaktion. Unbeweglich saß der Junge da und sah weiter auf den Sand zu seinen Füßen. Interessanter Weise störte mich das nicht im Geringsten. Ich sah nun meinerseits auf den Sand zu meinen Füßen. Eine Zeit lang. Eine Zeit ohne Gedanken. Sah nur den Sand zu meinen Füßen. Wie entspannend.
Share on FacebookWieder stand ich eine Weile nur da. Mein Plan für den Rest des Tages war plötzlich vergessen. Es zog mich nun zu ihm hin. Ja, ich wollte zu ihm gehen. Ihn fragen, ob mit ihm alles in Ordnung sei. Doch ich bin kein Kind mehr. Ich bin ein Erwachsener. Heut zu Tage ein Grund sich von Kindern fern zu halten um nicht in den Verdacht zu geraten, ein anderes Interesse zu haben, als nur mit dem Kind zu sprechen. Schon verrückt, diese Welt. Angst vor den natürlichsten Dingen haben zu müssen. Doch muss ich wirklich Angst haben? Wie verdächtig mag mein Verweilen hier erscheinen?
Share on FacebookDann sehe ich ein Kind, das gar nichts auszudrücken scheint. Das Kind, ein Junge, sitzt am Sandkastenrand und blickt auf den Sand. In dem Augenblick verließ ich die Symphonie. Ich weiß nicht warum, ich blieb stehen und sah eine Weile hinüber zu dem Jungen, der nur unbeweglich da saß. Er wirkte auf mich anders als die anderen Kinder und eroberte, in dem Augenblick, als ich ihn entdeckte, meine ganze Aufmerksamkeit. Ist es so ungewöhnlich, wenn ein Kind Mal nur da sitzt und etwas beobachtet?
Share on FacebookEin Tag wie jeder andere?
Die Sonne lacht mich an. So als wolle sie mich einstimmen auf meinen freien Tag. Diesen Tag wollte ich nicht in meinen vier Wänden verbringen. Die Geräusche der Straße lockten mich hinaus. Es ist seltsam, wie anders an manchen Tagen die Klänge in mir wirken. Motoren von vorbei fahrenden Autos klingen wie Musik, während sie mich sonst stören. Nein, sie sind Teil einer Musik. Eine Stimme in der Symphonie des Tages begleitet von der Stimme eines Arbeitenden, der Stimme von Füßen, die den Asphalt als Instrument nutzen, der Stimmen der Blätter, die vom Wind zum klingen gebracht und einzelnen Solisten, wie einem Ruf eines Suchenden, der Unterhaltung einer Gruppe von Menschen, dem immer wieder kehrenden Knall beim Aufprall eines Balles, virtuos geführt von spielenden Kindern.
Share on FacebookBegegnung
- (für Annett und Armin)
Manchmal begegnen sich Menschen
manchmal verstehen sie sich durch einen Blick
manchmal ist es ein Wiedersehen nach vielen Leben
manchmal einfach nur schön.
Oft begegnen sich Menschen
oft reden sie ohne Verstehen
oft ist es ein Abschied vor einem Erkennen
oft einfach nur eine Begegnung.
Immer öfter begegne ich Menschen
immer öfter auf einer Ebene des Verstehens
immer öfter ist es ein Kennen
immer öfter einfach nur richtig.
Berndle. 9 Januar 2005
Mein Weg ist mein Weg. Ein Weg, den ich gerne beschreite. Während ich ihn begehe, begegnen mir unzählbare Wunder. Wunder, die manchem alltäglich erscheinen mögen, für mich unglaublich und schön. Es mag kein besonderer Weg sein. Es mag nicht mal besonders sein, dass mir so viele Wunder begegnen. Ich sehe es so. Und weil ich es so sehe, bin ich glücklich und das von Tag zu Tag mehr.
Auf diesem meinen Weg, traf ich Michael. Michael war ein Kind. In meinen Augen ein Wunderkind. Er konnte sich wundern, so wie ich es jetzt kann. Er konnte auch wundervolles sagen. Und ich habe den Eindruck, er vollbrachte auch Wunder. An mir. An meinem Leben. Er war einer der wenigen Kinder, die noch ganz verbunden scheinen, mit der Welt, die uns umgibt und von der wir Teil sind. Und als Teil dieser Welt erschien mir Michael ganz.
Nein, er war nicht ein junger Erwachsener. Er stellte Fragen, wie alle anderen Kinder. Der Unterschied war, er richtet sie nicht an die Erwachsenen, sondern an sich selbst. Seine Antworten auf seine Fragen waren unglaublich. Sie wirkten auf mich wahr. “So ist es!”, mochte ich dann immer in die Welt rufen. Würde es jemand verstehen?
Dieses Wunder trage ich schon Jahre in mir, ohne jemals darüber gesprochen zu haben. Fürchtete ich, mir könnte jemand das Wunder nehmen, dass ich in dieser Begegnung sehe? Vielleicht war das so. Doch nicht nur. Es war mir einfach nicht möglich, die Worte wieder zu finden, die so trefflich waren. Ich wollte nicht ungenau nachstammeln, um den Wert nicht zu nehmen.
Jetzt schreibe ich darüber. Über Michael. Seine Worte wiederzugeben fürchte ich mich noch. Es wird sich zeigen, ob ich mir zutraue, sie wiederzugeben. Es wird sich zeigen. Im Moment denke ich an Michael. Einen Weisen in Kindgestalt. Eine Begegnung der ganz besondern Art. Eben ein Wunder.
Berndle. 29. Juni 2005
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Grüß Dich,
ich nenne ihn mal Michael. Michael entsteht gerade in diesem Moment in meiner Fantasie. Ich bin wirklich gespannt, wie er so wird und was er mir mitzuteilen hat. Du auch? Aber nicht enttäuscht sein, wenn er sich, kaum manifestiert, wieder auf die Socken macht, ja!?
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